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Die
Qualität der Fährte, also die Duftspur welche die Meute
zusammenhält, ist seit jeher ein leidenschaftlich diskutiertes
Thema unter Teilnehmern von Meutejagden und natürlich auch den
grünen Jägern. Wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem
spannenden Thema existieren praktisch nicht. Es sind zumeist
persönliche Erfahrungen auf die man sich bezieht.
Der
folgende Artikel stützt sich auf die Publikation „Les voies de
mauvais temps“, übersetzt: „die Fährte in schlechten
Zeiten“, von Bernard Banderier, erschienen im Januar 2010 in der
Zeitschrift „Chien Courant“, welcher in der Zeitschrift
„Venerie“, Nummer 173, März 2010, Seiten 76 bis 78 nochmals
abgedruckt wurde, ergänzt durch persönliche Ausführungen
zu Schleppjagd.
Einleitung
Die
Fährte hat an sich nichts mysteriöses. Sie besteht aus der
duftenden Spur, die von einem Tier hinterlassen wurde. Bei Jagden auf
lebendes Wild unterscheidet man warme und kalte Spuren oder Fährten,
je nach dem wie alt sie sind. Darüber hinaus wird hier die
„Wund-, Schweiß- (=Blut) oder Krankenfährte“ von der
„Gesundfährte“ unterschieden. Auf Schleppjagden wird zumeist
eine künstliche Fährte gelegt, wobei eine Flüssigkeit
(z.B. Fuchslosung, Anis, Heringslake) aus einem Kanister, welcher am
Sattel oder der Satteldecke befestigt ist, auf den Boden getropft
wird. Einigen sehr spurtreuen Meuten reicht die Gesundfährte
bzw. das Trittsiegel eines vorausgehenden Pferdes des Schleppenlegers
aus.
Egal
ob es sich um eine künstlich gelegte Fährte oder ein
natürliches Trittsiegel handelt, immer setzt sich die Duftspur
aus gasförmigen Molekülen zusammen, die durch das
Verdampfen oder die Verflüchtigung von Wasser befördert
werden und dadurch „schnüffelbar“ für die Hunde werden.
Das was einem mysteriös erscheinen kann ist, dass die Fährten
selten konstant sind. Tatsächlich spielt die Verdunstung von
Wasser eine ganz wesentliche Rolle, denn sie ist abhängig von
der Luftfeuchtigkeit, der Temperatur und besonders auch den
Veränderung dieser Komponenten. Folglich ist die Fährte von
physikalischen Phänomenen abhängig, nämlich
Kondensation, Verdampfung und Verdunstung, welche ihrerseits auf die
Temperaturunterschiede zwischen dem Boden und der Luft zurückzuführen
sind.
Wenn
man bedenkt, dass die Temperatur stetig zwischen Sonnenauf- und
-untergang variiert, begreift man leicht welche Schwierigkeiten den
Hunden begegnen, um die richtige Fährte aufzufinden, sie von
anderen zu unterscheiden und sie aufrecht zu erhalten.
Die
Hunde finden die Fährte nicht
Es
sind diejenigen Tage mit sehr niedriger Luftfeuchtigkeit. Hitze und
Wind sind die größten Feinde der Jagd mit Hunden. Ohne
Feuchtigkeit können die Hunde die Anwesenheit der duftenden
Moleküle nicht wahrnehmen. Die Gefahr bei trockener Hitze
besteht darin, dass vor allem junge Hunde in ihrem Eifer auf eine
fremde Fährte anspringen oder die Hunde dem erstbesten Wild auf
Sicht hinterher jagen. An diesen Tagen ist es wichtig, dass die
Piköre die Hunde sehr dicht an die richtige Fährte
heranbringen.
Im
Rahmen von Schleppjagden kann es dann auch sinnvoll sein, die eine
oder andere Schleppe auszulassen. Sehr wichtig ist, dass die Hund
immer ausreichend mit Wasser versorgt sind, damit sie ihre
Geruchssensoren von Staub befreien können und natürlich
auch um sich abzukühlen und zu erfrischen.
Die
Hunde finden überall Fährten
Hierbei
handelt es sich um das umgekehrte Phänomen, welches man am
häufigsten an Morgen mit Bodenfrost beobachten kann. Die Fährte
scheint gut, die Hunde geben Spurlaut und stürzen vorwärts.
Aber wegen der niedrigen Temperaturen werden viele Geruchsspuren
quasi tiefgekühlt. Die eigentliche Fährte wird von anderen
interessanten Fährten gekreuzt und dadurch werden die Hunde von
der eigentlichen Spur abgelenkt, weshalb sie dann das Ziel nicht
erreichen. Die Hunde haben Schwierigkeiten, die Chronologie der
Fährten richtig einzuschätzen.
Auch
hier sind die Piköre gefragt. Sie müssen dem Spurlaut
genaue Beachtung schenken. Verändert sich der Spurlaut abrupt,
ist davon auszugehen, dass eine falsche Fährte gekreuzt hat.
Diese entspricht einem anderen Geruch in einer anderen Intensität.
Wird dies von den Pikören bemerkt, ist es erforderlich die Hunde
abzuschlagen, also von der falschen Fährte abzubringen und an
diejenige Stelle zurück zu bringen, an der zuletzt der
„richtige“ Spurlaut zu hören war, und hier die Hunde wieder
erneut auf die eigentliche, richtige Fährte anzusetzen.
Vollmond
Der
Vollmond scheint auf Schleppjagden wenig Einfluss zu haben, spielt
aber bei der Hasenjagd eine große Rolle. In Vollmondnächten
legen Hasen, aufgrund der Helligkeit, größere Distanzen
zurück und multiplizieren die Fährten. Dadurch finden sich
zwar viele Fährten, diese sind aber nicht zu verwerten, weil die
Hunde wegen ihrer Unfähigkeit die Chronologie der Spuren zu
unterscheiden nicht zum Ziel gelangen. Warme und kalte Fährten
unterscheiden sich nicht ausreichend.
Darüber
hinaus nimmt der Mond natürlich auch Einfluss über die
Gezeiten. Es wird diskutiert, dass sich die Mondzeiten auch auf die
Trocknung des Waldes auswirken, was wiederum die Intensität der
Spur beeinflusst.
Die
Toten Blätter
Wenn
sich im Herbst die abgefallenen Blätter auf dem Boden sammeln,
können sie sogar die beste Meute in Verlegenheit bringen. An
trockeneren Tagen kann der Wind die Fährte wegtragen oder
vergraben. Besser jagen kann man an feuchten Tagen, wenn die Fährte
auf dem Blätterteppich kleben bleibt. Schwieriger wird es dann
wieder, wenn die Blätter verwesen und dann einen starken
Eigengeruch freisetzen, was die Arbeit der Hunde erheblich behindern
kann.
Die
Richtung der Fährte
Auf
einer Schleppjagd macht man diese Beobachtung zwar eher selten, aber
es kommt schon mal vor, dass eine Meute auf einer Schleppe in die
falsche Richtung los stürmt. Der Grund dafür ist, dass
dabei eine zuvor gelegte Schleppe zu einem späteren Zeitpunkt
erneut gekreuzt wird oder ein unachtsamer Reiter vor den Hunden die
Schleppe überreitet.
Im
allgemeinen unterscheidet sich die Fährte grundlegend, je nach
dem ob die Hunde in Richtung der Schleppe bzw. des Trittsiegels oder
in die entgegengesetzte Richtung unterwegs sind. Die Fährte wird
wärmer oder kälter. Normalerweise wird der Spurlaut einer
Meute um so lauter und enthusiastischer, je frischer die Hunde eine
Fährte erfahren, also je näher sie ihrem Ziel kommen. Je
nach dem aber, wie alt die Fährte tatsächlich ist und wie
die Witterungsverhältnisse zwischenzeitlich waren, können
sich die Hunde (und die Piköre) im Einzelfall irren und in die
falsche Richtung unterwegs sein. So kann es relativ lange dauern, bis
Hunde und Piköre bemerken, dass die Fährte kälter wird
und sie in eine „Sackgasse“ unterwegs sind.
Die
Fährte im Wald, die Fährte auf Feld und Wiese
Das
Geläuf (die Bodenverhältnisse) ist ebenfalls ein wichtiger
zu berücksichtigender Faktor. Die Fährte kann auf Feld und
Wiese hervorragend sein und im Wald praktisch fehlen. Der
Blätterteppich kann im Wald, gleich einem Regenschirm die Fährte
ändern, je nach Feuchtigkeit am Boden. Die Hunde werden in die
Irre geführt, wenn die Fährte in den Wald hinein führt,
während sie die Fährte auf der Wiese besser wiedererkennen
können.
Umgekehrt
verhält es sich bei Morgennebel. Die Fährte wird auf der
Wiese praktisch ertränkt, bleibt aber im Wald intakt.
Außerhalb
des Waldes spielt darüber hinaus auch die Düngung des
Bodens und die jeweilige Bepflanzung eine Rolle. Je nach Intensität
der zugrunde liegenden Gerüche kann die Arbeit der Hunde auf der
Fährte erschwert oder unmöglich gemacht werden.
Die
Fährte ist also alles andere als ein Geheimnis, sondern schlicht
das Ergebnis chemischer und physikalischer Reaktionen. Diese
Parameter aber, (die die Fährte beeinflussen )sind allerdings
sehr zahlreich und unvorhersehbar und das Phänomen weist eine
extreme Komplexität auf. Durch Kumulation und Kombination der
Einflussfaktoren können sich die Schwierigkeiten vermindern oder
verstärken.
So
müssen wir also unseren Hunden die schlechten Tage verzeihen, an
denen es ihnen trotz ihrer einmaligen Nasen und ihres „Know-How“
unmöglich ist Spurtreue zu beweisen. Alleine der Himmel ist
schuld.
Priv.-Doz.
Dr. med. Bernd F.M. Romeike
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